
Sprichwörtliches
aus der Bibel
Mit Füßen treten
Diese bildhafte Redewendung wird im wörtlichen und im übertragenen Sinne verwendet. In der wörtlichen Bedeutung geht sie auf den schon im Alten Testament zitierten militärischen Brauch zurück, den Fuß bzw. die Füße auf den Nacken des Besiegten als Zeichen der Unterwerfung zu stellen (vgl. Josua 10,24).
Im übertragenen Sinne verwenden wir die Redensart, wenn jemand Gesetze, Rechte, Werte, Menschen oder sogar Gott verachtet und geringschätzt. Auch dafür finden wir Beispiele in der Bibel:
So beklagt der Beter in Psalm 41, dass er wegen seiner Krankheit verspottet und verlassen wird – selbst von seinem Freund: »Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen« (Vers 10). Der Verfasser des Johannes-Evangeliums greift diesen Vers direkt auf, wenn er Jesus seinen Verrat durch Judas vorhersehen lässt (13,18): »Ich spreche nicht von euch allen; ich weiß, welche ich erwählt habe. Aber es muss die Schrift erfüllt werden: ›Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen.‹«
Und auch der Autor des Hebräerbriefes warnt davor, den Sohn Gottes mit Füßen zu treten (10,29): »Eine wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes für unrein hält, durch das er doch geheiligt wurde, und den Geist der Gnade schmäht?«
Hüten wir uns davor, Rechte, Werte, andere Menschen und Gott mit Füßen zu treten. Respektieren und achten wir einander und ehren Gott. Denn vor Gott ist kein Mensch dazu bestimmt, mit Füßen getreten zu werden.
Ursula Bernhardt
Foto von Arthur Miranda auf Unsplash
